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Wie lassen sich Mitarbeiter motivieren?

Es ist schon eine Zeitlang her, als ich einen Anruf von dem Geschäftsführer eines großen Einzelhandelsunternehmens erhielt. Auf meine Frage, wo ihm der Schuh drückt, begann er seine Ausführungen zunächst ruhig, doch ereiferte er sich recht schnell immer mehr über die Unfähigkeit seiner Mitarbeiter: „Herr Krings, ich beschäftige hier nur Pfeifen, keiner performt so richtig, wie ich mir das vorstelle. Es ist auch eine Katastrophe, überhaupt gescheite Leute zu finden, aber die, die ich hier `rumspringen habe, die sind zum größten Teil wirklich vollkommen unbrauchbar.“

Den Begriff »unbrauchbar« ließ ich mir von ihm etwas näher erklären. Darauf antwortete er mir: „Meine Leute sind desinteressiert am geschäftlichen Erfolg, demotiviert, hören nicht zu, sind vollkommen unverbindlich und haben überhaupt gar keinen Teamgeist. Egal in welcher Abteilung, ich habe kaum gute Führungskräfte, die in der Lage sind, überhaupt ihre Teams richtig zu führen. Und dann auch noch diese fürchterliche Unverbindlichkeit. Man kann sich hier in dem Laden auf nix verlassen ...“

Erfolg durch Mitarbeiter als »Pfeifen«?
So führte er seine Worte immer weiter aus. Ich erzähle Ihnen hier von einem Unternehmen, das zu dieser Zeit recht erfolgreich war. Wobei ich mir natürlich die Frage gestellt habe, wie ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter so schlecht sein sollen, erfolgreich sein kann. Da kann man sich natürlich zunächst auch erst einmal die Frage stellen: Was ist überhaupt Erfolg? Wirtschaftlich war dieses Unternehmen zu dieser Zeit sehr erfolgreich, aber in der Personalführung, im Umgang mit den Mitarbeitern, eine absolute Katastrophe. Erfahrungsgemäß rächt sich das früher oder später immer.

Tschakka – und die Leute arbeiten anständig ...
Auf meine Frage, was er sich von mir nun wünscht, was seiner Ansicht nach als Ergebnis meines Einsatzes anders sein soll als vorher, antwortete er mir: „Motivieren Sie mir meine Leute!“ Zugegeben ... das höre ich immer wieder. Also fragte ich ihn – natürlich sehr respektvoll formuliert: „Wie stellen Sie sich das vor? Dass ich mich vor Ihre Mannschaft stelle und tschakka-tschakka schreie, kann eher nicht zielführend sein.“ Daraufhin antwortete er, ich sei ja der Profi dafür, er wolle nur, dass seine Leute ordentlich arbeiten.

Wo sitzt unsere Motivation?
Ich gebe diese Frage gerade mal an Sie: Was würden Sie an meiner Stelle jetzt tun? Wie ist das mit der Motivation von außen? Sie haben sicherlich schon mal gehört oder irgendwo gelesen, dass Motivation intrinsisch ist, das heißt, aus uns selbst herauskommt. Wir haben eine Art Belohnungssystem in unserem Gehirn. Und dieses Belohnungssystem ist permanent auf der Suche nach dem Sinn unseres Handelns. Wenn wir nicht erkennen können, warum wir etwas tun bzw. wofür irgendetwas gut ist, fällt es uns schwer, uns für diese Tätigkeit zu motivieren. Das bedeutet im Umkehrschluss: Mitarbeiter von außen motivieren ist nahezu unmöglich! Es geht immer darum, dass der Mitarbeiter versteht, warum er das jetzt tut, gerade in diesem Moment tun soll oder später einmal. Er muss verstehen, welche Rolle er im großen Ganzen spielt.

Das heißt: Motivation von Mitarbeitern geht ausschließlich über einen Umweg. Und dieser Umweg sind die Rahmenbedingungen, unter denen die Mitarbeiter aktiv sind. Zu diesen Rahmenbedingungen gehört Führung – gute Führung, menschengerechte Führung, anspornende Führung und viele Dinge mehr, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden.

Der Fisch stinkt am Kopf zuerst
Zurück zu unserem Geschäftsführer mit seiner Einstellung. Es gibt den guten alten Spruch »der Fisch fängt am Kopf an zu stinken« und der findet hier natürlich auch seine Daseinsberechtigung. Wenn der Geschäftsführer, der Inhaber oder die Führungskraft bereits der Meinung ist, dass alle Mitarbeiter Idioten sind, dann sollte er sich besser direkt an die eigene Nase packen! Diese Führungskraft hat die Mitarbeiter einst einmal eingestellt, hat sie bis zu dem heutigen Tag geführt und somit das Verhalten der Mitarbeiter geprägt. Genau das habe ich damals meinem Gesprächspartner gesagt, der seine Mitarbeiter von mir motivieren lassen wollte und wirklich glaubte, das sei die Lösung seines Problems.

Die Wahrheit tut oft weh
Es wird Sie nun sicherlich nicht erstaunen, dass es nicht zu einem Auftrag gekommen ist. Leider hatte dessen Einsicht absolut gefehlt. Zumindest zu diesem Zeitpunkt, denn fast genau ein Jahr später ging es der Firma so dreckig, dass man mich dann doch wieder angerufen hat. Und raten Sie mal, von wem. Von genau diesem Geschäftsführer. Dann war seiner Meinung nach scheinbar doch etwas an dem dran, was ich ihm in unserem ersten Gespräch gesagt hatte.

Es läuft nur über die Führung!
So konnten wir dann gemeinsam – und das ist ganz wichtig – in seinem Unternehmen und wirklich auch mit seiner Unterstützung, durch ein längerfristiges Projekt wirklich gute Stimmung, gute Führungsarbeit, mit guten Ergebnissen in diesem Unternehmen erreichen.

Wie sieht das mit Ihrer Einstellung aus? Sind das immer die anderen, die verantwortlich sind oder vielleicht sogar schuld sind? Oder sehen auch Sie es so, ein Blick in den Spiegel könnte durchaus hilfreich sein? In meinen Seminaren nutze ich immer einen Spruch und der heißt: »Führen heißt, verändere dich selbst und alles um dich herum verändert sich von allein«. Das gilt übrigens interessanterweise auch im Privatbereich.

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