News

Inwieweit kann ich Dankbarkeit von meinen Mitarbeitern erwarten?

Nach dem Fall der Mauer hatte ich mich dazu entschieden, in Thüringen ein Unternehmen, das dem Untergang geweiht war, zu übernehmen. Wir starteten damals unter ungünstigsten räumlichen Bedingungen.

Die Gebäude waren uralt. Logistisch war das damals eine Katastrophe. Zusätzlich waren einzelne Abteilungen dieses Unternehmens quer in der Kleinstadt verteilt, sodass wir unsere Halberzeugnisse zwischen den einzelnen Produktionsbereichen mit Autos und Handkarren transportieren mussten. Die Büros und die Sozialräume entsprachen nicht ansatzweise westlichem Standard. Heizung gab es anfänglich beispielsweise nur, wenn Braunkohle in ausreichender Menge und Qualität verfügbar war. Heute – Jahrzehnte später – ist es mir im Nachhinein ein Rätsel, wie wir überhaupt zu dieser Zeit so erfolgreich arbeiten konnten.

Fünf Jahre später lief unser Geschäft so gut, dass wir aus allen Nähten platzten. Ich entschied mich, einen Neubau auf die grüne Wiese zu setzen. Ich wollte das modernste Unternehmen in dieser Branche in ganz Europa, vielleicht sogar weltweit aufbauen. Modern hieß, logistisch perfekt geplant. IT auf dem neusten Stand der Technik vernetzt. Ausreichend Raum für weiteres Wachstum. Zeitgemäße Abwassertechnik und Absauganlagen mit hoch effizienten Wärmerückgewinnungssystemen.

Am wichtigsten waren mir aber die Arbeitsbedingungen für meine Mitarbeiter. Diese sollten im Umkreis von Hunderten von Kilometern einmalig sein. Hell, freundlich mit viel Tageslicht, ergonomische Arbeitspositionen, gemütliche Aufenthaltsräume mit allem Komfort. Gute Wasch- und Duschgelegenheiten etc.

Bei der Planung freute ich mich schon auf den persönlichen Rundgang, bei dem ich meinen Mitarbeitern die fertiggestellte Produktionshalle und die Büros zeigen würde. Dann kam der entscheidende Tag. Ich freute mich wie ein Kind darauf, den Mitarbeitern ihre neuen Arbeitsplätze präsentieren zu können. Ich erhoffte mir einen riesigen Motivationsschub. Bereits nach den ersten Schritten in der neuen Umgebung sah ich zwar in erstaunte Augen der Mitarbeiter, erhielt auch interessierte Fragen. Als ich mit dem Rundgang fertig war, spürte ich jedoch keinerlei Begeisterung seitens der Mitarbeiter.

Ich war absolut enttäuscht. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich: „Was seid ihr für ein undankbares Volk. Das sind die modernsten Arbeitsplätze im Umkreis von hunderten Kilometern. Jeder Freund, Bekannte und Verwandte wird euch darum beneiden, hier in diesem Unternehmen arbeiten zu können.“ Es kam kein Danke, keine Begeisterung. Ich war frustriert, hatte ich mich doch ein Jahr lang auf genau diesen Tag, auf diesen Moment gefreut.

In zahlreichen Gesprächen habe ich damals mit einigen Mitarbeitern versucht, dieses Verhalten zu verstehen. Sie dachten damals: „Oh Mann, das viele Geld, was hier investiert wurde, das müssen wir alles wieder verdienen“ oder „Das viele Geld, hätte er uns besser eine Lohnerhöhung gegeben“. Es gab in der Zeit nach dem Mauerfall eine Grundstimmung von Unsicherheit, die damals überall noch in den neuen Bundesländern zu spüren war.

Heute – Jahrzehnte später – weiß ich, dass ich nie mit Dankbarkeit von meinen Mitarbeitern hätte rechnen dürfen. In einem Hochleistungsunternehmen geht es nämlich nicht darum, Freunde fürs Leben zu gewinnen. Jeder im Unternehmen – ob Geschäftsführung, Führungskräfte, oder Mitarbeiter – müssen sich darüber im Klaren sein, dass ein Unternehmen eine Zweckgemeinschaft ist. Diese Zweckgemeinschaft dient zum einen der Vermehrung des Kapitals der Eigentümer und zum anderen der sozialen Verpflichtung, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Selbstverständlich spielen dabei Gefühle und Haltungen wie Dankbarkeit, Vertrauen, Wertschätzung etc. eine wichtige Rolle. Aber sie sind nicht das Ziel.

Was Führungskräfte von ihren Mitarbeitern erwarten können, ist die Bereitschaft, Hochleistung zu bringen. Das können sie nur in dem Maß, wie die Führungskraft auch die entsprechenden Rahmenbedingungen gestaltet. Je mehr Hochleistung vom Mitarbeiter gefordert wird, desto besser müssen die Rahmenbedingungen sein. Dann sind sie quitt! Es gibt anschließend keine weiteren, gegenseitigen Forderungen oder Erwartungen mehr.

Was meine ich mit Rahmenbedingungen? Moderne, funktionierende Arbeitsmittel, leistungsgerechte Bezahlung und GUTE FÜHRUNG. Wenn alles andere im Unternehmen stimmt, dann ist gute Führung der entscheidende Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Dann kommt Dankbarkeit von ganz alleine.

Newsletter

So bleiben Sie informiert!


Wenn Sie regelmäßig neue Informationen von mir erhalten möchten, können Sie meinen Newsletter bestellen. Bitte tragen Sie dazu Ihre E-Mail Adresse in das entsprechende Feld ein, nehmen Sie meine Datenschutzhinweise zur Kenntnis und klicken Sie dann auf Absenden. Personenbezogene Daten, die Sie mir in diesem Rahmen übersenden, werden von mir nur insoweit gespeichert, wie dies für die technische Administration und die Übersendung des Newsletters erforderlich ist. Die Weitergabe der Daten an Dritte erfolgt nicht. Sie haben das Recht, eine erteilte Einwilligung zum Newsletterempfang mit der Wirkung für die Zukunft jederzeit zu widerrufen. In diesem Fall werden die über Sie gespeicherten personenbezogenen Daten umgehend gelöscht. Weitere Informationen zum Datenschutz und zum Umgang mit personenbezogenen Daten finden Sie in meiner Datenschutzerklärung.