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Der Change ist ordentlich in die Hose gegangen ...

Es ist schon wieder ein paar Jahre her, als ich von einem potenziellen Kunden einen Anruf erhielt. Dieser Anruf war schon fast ein Hilfeschrei und kam von dem Geschäftsführer eines Unternehmens. Man kann das Ganze gut und unter der Überschrift zusammenfassen: Wir haben einen , der ordentlich in die Hose gegangen ist.


„Irgendwas läuft hier in unserem Unternehmen nicht richtig und wir wissen aber nicht, was“, hörte ich meinen Gesprächspartner sagen, der mir auch direkt zu verstehen gab, dass er das Gefühl habe, eine Bombe würde gerade in seiner Firma ticken.

Ohne jetzt zu viel über das Unternehmen verraten zu wollen, aber es handelte sich hier schon um einen Giganten in der Weltwirtschaft und ich unterhielt mich in diesem Moment mit dem Geschäftsführer einer ausländischen Vertriebsgesellschaft dieses Unternehmens.

Chapeau vor diesem Mut!
Zunächst möchte ich natürlich einmal sagen, dass ich es phänomenal finde, wenn Top-Manager auch in Situationen, in denen sie eventuell als Versager dastehen könnten, den Mut haben, sich Hilfe zu holen oder sich unterstützen zu lassen. Oft sehe ich nämlich in meinen Beratungseinsätzen, dass die meisten im Management vor lauter Stolz die Angst haben, das Gesicht zu verlieren. Sie trauen sich gar nicht, einen Berater zu konsultieren oder auch offen mit einem Berater zu sprechen, sofern sie sich doch überwunden haben und externe Hilfe ins Haus holen. Natürlich ist es auch eine Frage des Budgets, doch kann ich aus Erfahrung sagen, dass es extrem teuer werden kann, wenn das sprichwörtliche Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist.

Der erste Eindruck
Also packte ich meinen Koffer und flog zu dieser Gesellschaft. Vor Ort stand ich vor einem noch relativ neuen, imposanten Gebäude, in dem circa 700 Menschen arbeiteten. Auf meinem Weg zum Konferenzzimmer, in dem dann das erste persönliche Treffen stattfinden sollte, fiel mir auf, dass die Büros in erster Linie Großraumbüros waren und für mein Gefühl deutlich zu viele Menschen in einem Büro arbeiteten. Darüber hinaus war ebenso auffällig, dass sehr viele Mitarbeiter mit Kopfhörern arbeiteten. Ich rede jetzt nicht von kleinen In-Ear-Kopfhörern, sondern wirklich schalldämmenden ‚Micky-Maus-Kopfhörern‘.

Eine Konzernentscheidung mit Folgen
In dem Gespräch, was zwischen dem Geschäftsführer, seiner Personalchefin und gleichzeitig auch Personalentwicklerin und mir stattfand, hörte ich mir die Unternehmensgeschichte der letzten ein bis zwei Jahre an. Kurz gesagt ging es um Folgendes:

Die Marke A dieses Unternehmens war Platzhirsch in dem Land und alle weiteren Marken spielten hinsichtlich Umsatzzahlen zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Als Platzhirsch hatte sich Marke A ein wunderschönes neues Gebäude gebaut, was entsprechend auch auf die Mitarbeiteranzahl und die Abläufe im Unternehmen ausgelegt war. Dann kam die Konzernentscheidung, dass alle Marken zusammengelegt werden sollen, das heißt, alle Mitarbeiter sollten in einem zentralen Verwaltungsgebäude gemeinsam arbeiten. Was in meinen Augen per se zu einer Katastrophe führen musste. Ursprüngliche Wettbewerber auf dem Markt sollten so zunächst einmal alle in ein und demselben Gebäude arbeiten – Gleiches galt für das entsprechende Management. Dieses führte verständlicherweise zu einer kompletten Überlastung der Arbeitsplatzkapazitäten und dem Bild, was ich ja gesehen hatte: viel zu viele Mitarbeiter in einem Raum, zu einem permanenten, tagtäglichen Konkurrenzkampf in jedem Büro, auf jeder Etage, in jedem Flur, in jedem Pausenraum, in jeder Kantine, bei jedem Kantinenaufenthalt. Immerhin waren hier die »Erzfeinde« alle unter einem Dach eingepfercht.

Das Fatale: Vertrauensverlust
Nach einer ausführlichen Systemdiagnose stellte ich fest, dass neben diesen ganzen Stressfaktoren in erster Linie ein extremer Vertrauensverlust gegenüber dem Management entstanden war. Möglicherweise denken Sie jetzt, dass das als Folge doch offensichtlich sein muss, aber dem war auf den ersten Blick wirklich nicht so und erst nach der ausführlichen Diagnose kam ich dahinter.

Dazu kam, dass innerhalb des Managements – sprich zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und seinem Finanzvorstand – offensichtlich auch eine emotionale Diskrepanz bestand und beide keine einheitliche Sprache nach außen sprachen. Obwohl beide wirklich sehr interessiert an dem Erfolg des Unternehmens und insbesondere der Vorstandsvorsitzende wirklich eine hervorragende Führungskraft war, war es beiden nicht möglich, von alleine zu erkennen, was da grade passierte. Insbesondere aus dem Grund, weil der Vorstandsvorsitzende diesen Change selber gar nicht begleitet hatte, sondern in diese bestehende Katastrophe erst eingestiegen ist.

Es gab nur noch einen Ausweg: handeln!
Der Vorstandsvorsitzende tat das in dieser Situation einzig Richtige: Er holte sich jemanden ins Haus, der aufgrund seines Blicks von außen die Situation analysieren, erkennen und das Ergebnis dessen in die Entscheidungsebene transportieren konnte. Somit tat er das einzig Richtige in seiner Situation: handeln!

Was Sie selbst tun können
Wenn Sie als Manager, als Top-Führungskraft, Geschäftsführer oder Vorstand das Gefühl haben oder sogar anhand Ihrer KPIs de facto erkennen können, das irgendwas in Ihrem Unternehmen oder in Ihrem Verantwortungsbereich nicht so läuft, wie es sein sollte, dann zögern Sie nicht lange. Holen Sie sich einen Organisationsentwickler, einen Berater ins Haus, der auf Organisationsentwicklung spezialisiert ist. Seien Sie bitte nicht zu stolz oder auch zu feige, diesen Schritt zu gehen. Denn oft ist es wirklich so, dass nur ein externer Blick auf die Dinge – insbesondere mit psychologischen Kenntnissen – die blinden Flecken im Unternehmen identifizieren kann. Nur dann können Sie als Verantwortlicher entscheiden, was anschließend passieren soll.

Idealerweise lassen Sie sich im nächsten Schritt entsprechend bei einem Prozess auch begleiten, denn Ignoranz wird in so einem Fall extrem teuer.

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